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Zwischen den Welten.

Ich bin gelernter Schriftsetzer (Handsatz nach dem alten Prinzip Gutenbergs aus dem Jahre 1448) und als solcher mit der digitalen Welt auf Kriegsfuss. Den Wechsel von der Schreibmaschine zur Computertastatur, von der Vinylplatte zur CD und dann weiter zu YouTube, vom gedruckten Duden und Lexikon zu Wikipedia und zum Googeln habe ich stets widerstrebend und mit merklicher Verzögerung nachvollzogen. Erst seit ich mich wieder und noch einmal verliebt hatte, habe ich mit dem Simsen angefangen. Ein smartes Phone besitze ich aber gleichwohl (noch?) nicht. Ich will gar nicht jederzeit alles Wissbare wissen; ich möchte mich auch noch erinnern können. Ich habe auch keinen Facebook-Account und nichts zu twittern. Aber ja, zugegeben, ich habe je eine Super- und eine Cumuluscard. Bin eben irgendwo ZWISCHEN den Welten. Zwischen Winkelhaken (s. Foto) und dem alten Nokia, das mir meine Tochter vermacht hat zwecks gelegentlichem Aufgebot zum Babysitten. So weit, so gut.

Nun aber lese ich, was Mark Zuckerberg verkündet: "Ich glaube, eines Tages werden wir fähig sein, einander Gedanken direkt zu schicken. Du wirst einfach etwas denken, und deine Freunde werden unmittelbar an dieser Erfahrung teilnehmen, wenn du es willst. Das wäre die ultimative Kommunikationstechnologie". Hoppla, denke ich, schöne neue Welt! Und ich frage mich: Möchte ich das? Wo sind denn da die alten Freunde noch, die mit mir in fröhlicher Runde sitzen und singen: "Die Gedanken sind frei, wer kann sie erraten ...?" Ich bin wohl hoffnungslos veraltet, wenn ich auch DABEI bleiben will: Lieber dem abendlichen Gesang einer Amsel lauschen und den Blick zum nächtlichen Sternbild des Orion richten als mich per Cyberbrille virtuell durch die Katakomben des Pharaos führen lassen. Und falls ich einmal von hinnen gehen müsste; ah ja, das steht uns ja auch noch bevor... Anstatt dem Streichelarm eines Roboters ausgeliefert zu sein - selbst wenn der aufgrund all meiner persönlichen Daten (die da wären: verrunzelte Haut, schmerzende Schwachstellen, noch zu erwartende Lebensdauer in Stunden und Minuten) wahlweise im Modus sanft, medium oder zugriffig, optimal eingestellt sein sollte – wäre es mir dann doch lieber, von einer zögerlich-zärtlichen Hand berührt zu werden. 

Hanspeter Blatter

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